European Songcontest 2009

Posted on May 18, 2009
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Harald springt, Gustav stinkt… und Tita keine Punkte bringt. So. Dieses Jahr war dieses großartige Fest der gemeinsamen europäischen Vision einer kulturellen Einheit mal nur eins: ein watschende Ohrfeige für Deutschland und das mit Recht. Der großdeutsche Masterplan, mangels ansehnlicher eigener Auslegware vom Bund deutscher Mädels, mit Hilfe der amerikanischen Titten-V2 Scham und Schande über das gemeine Ausland zu bringen ging voll und mit Recht nach hinten los.

Es geht den meisten telefonierenden Europäern doch nur um die Musik. Ätsch! Die war im schnelldurchlauf zum Voten eigentlich am besten auf den Punkt gebracht, nach einem anhaltenden pseudofolkloristischen Rummsbumms Idiotendiskofox Dauerfeuer kam man nur zu einer kurzen Atempause, als die Norweger Ihr nettes Lied zum Besten gaben, danach rummsbummste es genauso hirn- wie geschmacklos weiter, ohne Ecken, ohne Kanten, alles schöööööön gleichförmig massenkompatibel und auf dem größten gemeinsamen Nenner, 4/4 Takt und Eskalation, das muss reichen für den Sieg.

Ein bißchen vermisste ich den, wahrscheinlich in einem Sanatorium weggesperrten Uwe Bahn, allerdings gab sich sein Surrogat auch erdenklichste Mühe, nicht beleidigt zu wirken und einen guten Verlierer zu mimen.

Mein diesjähriger kurzer Schluß: Norwegen gewinnt verdient, mit entsprechendem Abstand, denn der Rest war wirklich unerträglicher Scheiss, um es mal mit Reich-Ranicki zu thagen… äh sagen.

Dieter Bohlen

Posted on April 20, 2009
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… Mann, ist das ne Wurst! So wirbt der pseudo-charmante Mittfünfziger gerade für Wiesenhof-Brutzler Bratwurstprodukte. Was einiges an Humor, zumindest bei der Werbeagentur voraussetzt, die das ganze ausgeheckt haben und nach Kenntnisnahme des Dieter Bohlen Zeichentrickfilms wohl auch beim Protagonisten, der es gern braun und knackig mag und dabei auf einen jungen Frauenhintern schielt. Braun ist der zwar nicht und jede weitere Assoziationskette von Braun und Hintern mag ich im Zusammenhang mit Würsten auch nicht wirklich gern herstellen, aber… hoppla, schon passiert.

Also, mal das Phänomen Dieter Bohlen mal kurz umrissen: Ingolf Lück ist schuld, der ließ nämlich den Dieter und den Thomas (auch sonnenbankbraun und vielleicht wurst – ich weiss nicht, ob sich hier schon früh Bohlens Neigung manifestiert…) unvorsichtigerweise bei sich in Formel 1 auftreten. Dieter Thomas war uns bis dahin nur als Wortkombination für Schnellsprecher mit massiver Affinität zu deutschen Schlagern bekannt, in so fern war die Umgewöhnung nicht allzu schwer. Das deutsch aus dem Schlager rausgewummst und mit englischen Eunuchengesängen im Refrain garniert, schon war der Grundstein für ein Imperium des schlechten Musikgeschmackes gelegt. Millionen und Abermillionen müssen diese freizügige Interpretation des Wortes Popmusik gekauft haben, ähnlich wie, und wahrscheinlich auch genau die selbe Klientel, Millionen von Menschen, die das Zeitungssurrogat “BILD” konsumieren. Und bei Modern Talking gab es weder nackte Mädchen, noch einen Sportteil – aber wahrscheinlich wurde das Ganze in einem Verwertungsschritt später, der Tanzschule nachgearbeitet – ich kann es mir nicht anders (<-Thomas – ein Brüller, wie ich finde!) erklären.

So dann Trennung, Reunion, Comeback, Buch, Superstarserie, Hörbuch, Film und Superstarseriesuperstarseriesuperstarserie… und es ist kein Ende abzusehen. Was macht denn der Dieter Bohlen eigentlich? Also angefangen hat er damit auf möglichst anspruchslosen Midi-Rhytmusmaschinen möglichst noch anspruchslosere Kompositionen aufzupfropfen und seitdem macht er Teenieträume kaputt, die ein Superstar werden wollen. Nu ist es per se schon unmöglich in Deutschland ein Superstar zu werden, denn das ist weder Armin Müller-Stahl noch Herbert Grönemeyer bisher gelungen und die hätten wohl am ehesten Anspruch auf einen solchen Titel, aber so heisst das Motto und der Titel dieses Castingquatsches nunmal.

Das blöde ist, der Bohlen, der darf das. Denn er hat die Erfahrung, den Erfolg und das Volk hinter sich und man kann ihm nicht einmal böse sein, wenn er jemand anders als everybodys arschloch bezeichnet, zumal das wohl auch Grundlage der frechen Kampagne der Teilnehmerin, deren Name mir so egal ist, wie die Brutzelwurst, die er nun als vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere anpreist. Es ist zu befürchten, dass hier noch weiteres folgen wird…

Wipeout-Heul nicht, Lauf!

Posted on March 24, 2009
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Automatisierte Körperverletzung, Einzug japanischer Verhältnisse in die deutsche Gameshowlandschaft, Rückkehr der Spiele ohne Grenzen.

Im Vorfeld der Produktionsphase gab es schon Grund zu Spekulationen über chaotische Zustände beim Aufzeichnen: “Am Set von ‘Wipeout’ herrscht Business as usual. Es gibt eine kurze Verzögerung, wie sie bei solch aufwändigen Produktionen häufiger mal vorkommt”, so ProSieben-Sprecher Christoph Körfer. Das Ganze wird in Argentinien produziert, das muss man nun noch wissen, um das phrasenschweinwürdige “aufwändig” nachvollziehen zu können. Der Specialeffectslieferant soll als Sündenbock herhalten. Ich persönlich glaube eher an Falschbuchungen von Hotelzimmern, denn das fertige Produkt ist ausgestattet mit Special Effects, die eines Pyrotechnikerpraktikanten durchaus würdig sind, Luftschlangen und Explosionen der Marke “Tischfeuerwerk” lassen nur erahnen, wer hier verarscht werden soll, also mal abgesehen vom Zuschauer.

Präsentiert wird das Ganze von Antioutboundembeddedmoderatorin Charlotte Engelhardt, dem schmerzfreien Dauerglotzer aus Heimwerkerdokusoapspersiflagen, als “Produktschreck” im Vorabendprogramm bekannt, wo sie zu sich selbst bisweilen als Konkurrenz läuft, wenn das herkömmliche taff-Moderatorenteam, Stefan Gödde und Annmarie Warnkross (ich verkneife mir billige Wortspiele wie Öde und Warnkreuz-Andreaskreuz), sich das unerträglich massenkompatible Gute-Laune-frisch-gefickte-Eichhörnchen-Grinsen nachliften lassen müssen. Dort wurde sie uns also schonmal vorsichtig einschleichend als Moderator in Urlaubsvertretung eingeimpft. Warum, weiss kein Mensch.
Naja, blond, jung – muss reichen für die Fernsehkarriere, wenn man nicht das unbestimmte Gefühl hätte, diese Formate, denen sie so zugeordnet wurde, nicht wirklich ihre Welt ist. Ich würde mich ähnlich unbeholfen auf dem Debütantenball in Wien bewegen.

Nun gut. Das hat dann auch der Produzent eingesehen und ihr die ultimative Totschlaggrinsekatze Opdenhövel mit Werner Hansch zu “Offkommentatoren” beigesellt. Ja. Der Werner Hansch. Das allein ist der einzig große Coup, der mich dazu verleitet hat, diese Sendung geschlagene dreimal anzusehen. Ist es die Faszination am Ekel, meine fortgesetzte Perplexität, meine lang unterdrückte Lust an total bescheuerter und sinnfreier Unterhaltung – ich muss darüber mit meinem Therapeuthen sprechen. Dieses Duo Infernal tut das, wozu Charlotte nicht in der Lage ist, nämlich zynisch, bösartig und bisweilen sogar lustig wortwitzig die Texte der Autoren vorzulesen, die ihnen vorgelegt wurden, um die Schadenfreude an den Verletzungen der Kandidaten anzuheizen. Nur für den Fall, dass man es von selbst durch gesellschaftliche Umstände noch nicht geschafft hat, einen ungesunden Hang zum Sado-Voyeurismus zu entwickeln. Unnötig, wie ich finde, aber gut, ich nehme ja nicht für mich in Anspruch das Maß aller Dinge zu sein. Und ich bin ja nicht die Zielgruppe dieser Produktion. Oder doch? Hat man im Hause Endemol (die wo das sind, die das produzieren tun) dieses ganze Format nur für mich allein entwickelt? Hat man meine Freude am Zynismus erkannt und extra für mich diese Show als Falle konstruiert, damit ich da hineintappe und sage, Mensch, das ist mal eine tolle Show, da kann man mal herzlich über Leute lachen, die alles für Geld tun würden. Tja. Falsch gedacht, das ist schief gegangen, das hat nicht funktioniert. Ich finde die Sendung doof! Ätsche!

Also, Ziel ist es sich als Kandidat die Bänderdehnungen, Muskelfaserrisse und Hämathome, die man sich unweigerlich dabei zuzieht, während man über den Hindernisparcour geprügelt wird, oder sich selbst prügelt, mit 10.000 € zu versüßen. Weder die Zuschauer, noch die ausgeschiedenen Kandidaten werden dermaßen entschädigt, sondern nur der Siegertyp, der sich durch den künstlichen Sozialdarwinismuskurs hindurchbeisst, um am Ende auf einen BUZZER zu haun. An dieser Stelle nochmal Hut ab vor den aufwändigen Special Effects.

Der Unterschied zu Takeshis Castle ist eigentlich nur, dass dem deutschen Durchschnittszuseher die Gesichter der Kandidaten nicht merkwürdig fremd und irgendwie asiatisch vorkommen und die Spielphasen sind weniger variationsreich, möglicherweise waren das die einzigen, nicht-patentierten Menschen-Aussortier-Maschinerien, ich weiss es doch auch nicht.

Ob ich noch ein viertes Mal hinschaue hängt ganz von der Programmplanung der Mitbewerbersender ab. Bitte! Lasst mich nicht hängen, lasst mich nicht mit diesem Quatsch allein, bitte!

UPDATE
Hey, ein Recycling, das Sommerloch hat begonnen, es gibt ein Re-Launch von Wipe Out! Super! Was ist neu? – Nicht viel, Werner Hansch und der Opdenhövel sind weg und Frau Charlotte Engelhardt darf jetzt allein beweisen, dass sie alles, aber nicht lustig ist. Höhepunkt der Gagschreiber: “blablabla … warum die Kandidaten wie nach dem 4. Glas Methylalkohol im Inklusivurlaub in Antalya herumwanken…blablabla” – Das ist wirklich saukomisch, Frau Engelhardt, findet bestimmt auch die Familie des jungen Mannes, den so ein Experiment das Leben gekostet hat…
Aus Kostengründen scheint man das Gelände nach Deutschland verlegt zu haben, weswegen das Personal, … nein, als Personen wird das freiwillige Schlachtvieh nicht behandelt, also die Versuchskaninchen über kaltes Wasser klagen. Apropos klagen, das dürfen die Kandidaten nachträglich wohl nicht, denn als “Ms. Piggy” verhöhnt zu werden, sich den gebrochenen Kiefer richten zu lassen und das “Attribut intelligent” absprechen zu lassen, das ist hier alles inklusive und man muss es ja einräumen, wer da freiwillig mitmacht, kann nicht intelligent sein. Aber: Diese Sendung ist eine Frechheit, eine Beleidigung, Körperverletzung und jetzt ist sie sogar noch schlechter als vorher. Gartuliere, ProSieben!

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