Wipeout-Heul nicht, Lauf!

Posted on March 24, 2009
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Automatisierte Körperverletzung, Einzug japanischer Verhältnisse in die deutsche Gameshowlandschaft, Rückkehr der Spiele ohne Grenzen.

Im Vorfeld der Produktionsphase gab es schon Grund zu Spekulationen über chaotische Zustände beim Aufzeichnen: “Am Set von ‘Wipeout’ herrscht Business as usual. Es gibt eine kurze Verzögerung, wie sie bei solch aufwändigen Produktionen häufiger mal vorkommt”, so ProSieben-Sprecher Christoph Körfer. Das Ganze wird in Argentinien produziert, das muss man nun noch wissen, um das phrasenschweinwürdige “aufwändig” nachvollziehen zu können. Der Specialeffectslieferant soll als Sündenbock herhalten. Ich persönlich glaube eher an Falschbuchungen von Hotelzimmern, denn das fertige Produkt ist ausgestattet mit Special Effects, die eines Pyrotechnikerpraktikanten durchaus würdig sind, Luftschlangen und Explosionen der Marke “Tischfeuerwerk” lassen nur erahnen, wer hier verarscht werden soll, also mal abgesehen vom Zuschauer.

Präsentiert wird das Ganze von Antioutboundembeddedmoderatorin Charlotte Engelhardt, dem schmerzfreien Dauerglotzer aus Heimwerkerdokusoapspersiflagen, als “Produktschreck” im Vorabendprogramm bekannt, wo sie zu sich selbst bisweilen als Konkurrenz läuft, wenn das herkömmliche taff-Moderatorenteam, Stefan Gödde und Annmarie Warnkross (ich verkneife mir billige Wortspiele wie Öde und Warnkreuz-Andreaskreuz), sich das unerträglich massenkompatible Gute-Laune-frisch-gefickte-Eichhörnchen-Grinsen nachliften lassen müssen. Dort wurde sie uns also schonmal vorsichtig einschleichend als Moderator in Urlaubsvertretung eingeimpft. Warum, weiss kein Mensch.
Naja, blond, jung - muss reichen für die Fernsehkarriere, wenn man nicht das unbestimmte Gefühl hätte, diese Formate, denen sie so zugeordnet wurde, nicht wirklich ihre Welt ist. Ich würde mich ähnlich unbeholfen auf dem Debütantenball in Wien bewegen.

Nun gut. Das hat dann auch der Produzent eingesehen und ihr die ultimative Totschlaggrinsekatze Opdenhövel mit Werner Hansch zu “Offkommentatoren” beigesellt. Ja. Der Werner Hansch. Das allein ist der einzig große Coup, der mich dazu verleitet hat, diese Sendung geschlagene dreimal anzusehen. Ist es die Faszination am Ekel, meine fortgesetzte Perplexität, meine lang unterdrückte Lust an total bescheuerter und sinnfreier Unterhaltung - ich muss darüber mit meinem Therapeuthen sprechen. Dieses Duo Infernal tut das, wozu Charlotte nicht in der Lage ist, nämlich zynisch, bösartig und bisweilen sogar lustig wortwitzig die Texte der Autoren vorzulesen, die ihnen vorgelegt wurden, um die Schadenfreude an den Verletzungen der Kandidaten anzuheizen. Nur für den Fall, dass man es von selbst durch gesellschaftliche Umstände noch nicht geschafft hat, einen ungesunden Hang zum Sado-Voyeurismus zu entwickeln. Unnötig, wie ich finde, aber gut, ich nehme ja nicht für mich in Anspruch das Maß aller Dinge zu sein. Und ich bin ja nicht die Zielgruppe dieser Produktion. Oder doch? Hat man im Hause Endemol (die wo das sind, die das produzieren tun) dieses ganze Format nur für mich allein entwickelt? Hat man meine Freude am Zynismus erkannt und extra für mich diese Show als Falle konstruiert, damit ich da hineintappe und sage, Mensch, das ist mal eine tolle Show, da kann man mal herzlich über Leute lachen, die alles für Geld tun würden. Tja. Falsch gedacht, das ist schief gegangen, das hat nicht funktioniert. Ich finde die Sendung doof! Ätsche!

Also, Ziel ist es sich als Kandidat die Bänderdehnungen, Muskelfaserrisse und Hämathome, die man sich unweigerlich dabei zuzieht, während man über den Hindernisparcour geprügelt wird, oder sich selbst prügelt, mit 10.000 € zu versüßen. Weder die Zuschauer, noch die ausgeschiedenen Kandidaten werden dermaßen entschädigt, sondern nur der Siegertyp, der sich durch den künstlichen Sozialdarwinismuskurs hindurchbeisst, um am Ende auf einen BUZZER zu haun. An dieser Stelle nochmal Hut ab vor den aufwändigen Special Effects.

Der Unterschied zu Takeshis Castle ist eigentlich nur, dass dem deutschen Durchschnittszuseher die Gesichter der Kandidaten nicht merkwürdig fremd und irgendwie asiatisch vorkommen und die Spielphasen sind weniger variationsreich, möglicherweise waren das die einzigen, nicht-patentierten Menschen-Aussortier-Maschinerien, ich weiss es doch auch nicht.

Ob ich noch ein viertes Mal hinschaue hängt ganz von der Programmplanung der Mitbewerbersender ab. Bitte! Lasst mich nicht hängen, lasst mich nicht mit diesem Quatsch allein, bitte!

Alpecin - Doping für die Haare…

Posted on March 11, 2009
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Au Mann. Ich fühle mich per Timetunnel genau in eben diese Zeit des Fernsehens zurückgebeamt, respektive der auch noch zu dieser Zeit gebräuchlichen Fernsehwerbung. Altbacken, voller sinnfreier Bilder und hohler Phrasen - eigentlich kann das schon zur Zeit der seeligen Clementine, deren Darstellerin kürzlich verstarb -unser ernstgemeintes Beileid an die Angehörigen- nicht funktioniert haben.

Clementine hatte nun aber wenigstens den unbedingten Vorteil, sympatisch zu sein. Nette, kleine, dicke, knuffelige Oma - alles Bestens. Was serviert uns nun aber der Chefwerbemensch von Alpecin? Dr. Klink. Der erste Impuls, der einem durch den Kopf schießen möchte ist: der hieß doch Colonel Klink und hatte gar keine Haare und ein Monokel und im ständigen Streit mit amerikanischen und englischen Kriegsgefangenen. Oder war das ein Widerstreiter James Bonds?

OK, hier haben wie also Doktor Klink der uns ziemlich durchdringend und furchtbar ernst anstarrt, - also ich hätte Angst vor dem, vielleicht geht es meinen Haarwurzeln ja auch ähnlich und sie sprießen lieber freiwillig, als in dem Laboratorium des Doktor Klink auf eine Trage geschnallt zu werden und mittels einer teuflischen Aparatur, die von der Energie aus Blitzen gespeist wird, gedopt zu werden…

Und jetzt kommt der Hammer! Doktor Klink kann etwas ganz tolles: Er kann Mithilfe eines Mauszeigers, den er auf einem Flachbildschirm hin und her bewegt die Wachstumsphasen meines Haares verlängern. Wahnsinn! Das ist ja mindestens Internet 12.7!

Also mal ganz im Ernst, liebe Marketingabteilung, lieber Werbeschaffender, was soll denn das? Das geht doch gar nicht!?! Wen soll denn dieser Zaubertrick aus dem Powerpointrepertoire eines Viertklässlers von der Wirksamkeit Eures Mittels überzeugen? Dr. Klink in Verbindung mit der lustigen kleinen Schubbsegrafik, das ist einfach zu viel! Und dann der weichgespülte Slogan: Doping für die Haare - nur für die Haare… - herrjeh! Doping für die Haare! Fertig! Nicht noch weichspülen, einschränken, aufweichen - was ist denn da los bei Euch? Das Konzept der Antiwerbung funktioniert doch, ich schreibe ja über Euch, also dann könnt Ihr auch gleich richtig provozieren.

Oder soll mich die Einleitung, dass der Slogan für viel Aufsehen gesorgt hat in irgend einer Form beeindrucken? Wo denn? Bei den Mitbewerbern? Beim Radsportverband? Mir ist das Blabla aus der Werbung eigentlich komplett wurscht, nur gut gemacht muss es eben sein. Witzig vielleicht, oder lustig anzusehen, aber doch nicht so…

Bundesvision Songcontest

Posted on February 14, 2009
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Klatsch klaaaaaatsch! Voll in die Fresse. Klasse. Live und in Farbe. Für stereotypes Dumpfmanngehabe und Tittengegrabsche. Yieh-harrr!…

Ich könnte mich noch stundenlang über dieses etwa 25 sekündige Highlight des gestrigen Bundeswischen Songkontext freuen, aber niemand, der es nicht gesehen hat, würde dann verstehen, worum es geht. Irgendwie ist der Raab ja fast niedlich, wenn er wie ein kleiner Junge so in der Showkulisse um sich schaut und sich freut, dass das alles aus seinem Kopf entsprungen ist. Also. Naja, nichts davon, aber er eben den richtigen Leuten gesagt hat, ich will so was wie den European Songcontest in klein machen.

Wie beim großen Vorbild gibt es am Ende eine Abstimmung mit Bildeinspielern mit Lokalkolorit von regionalen Radiosendern und extatisch rumkreischendem Klatschvolk und dann gibt es noch Baden Würtemberg. Da wo die männliche Bevölkerung nichts dazu lernt und es für völlig normal hält, seiner hübschen tschechischen Kollegin als Warm-Up erstmal einfach mal an die Hupen zu grabschen. Aber ich greife vor… (hehe)

Zunächst war also eine Art menschliche Discokugel zu sehen und es wurde gleich klar, die Pailetten Jacke strahlte mehr aus, als der Träger. Sogar mehr Persönlichkeit. Und eine nette Komoderatorin, nichts besonderes, wie der ganze Abend in seiner scheußlichen Belanglosigkeit irgendwie an mir vorbeitröpfelte. -Der Inhalt der Jacke, der mir vorher irgendwie schon durch seine Schweinsäuglein unsympatisch wurde, laberte nun vermeintlich den üblichen Scheiss daher, wie alle Radiomoderatoren das eben so den ganzen Tag tun und wollte dann, als Grande Furioso die beiden Nippel seiner Kollegin zu den zwei schönsten Punkten im Ländle erklären.

Gut, kann man mal machen. Sicherlich gibt es sogar Gelegenheiten, da sollte man es auch mal machen, definitiv nicht machen sollte man es bei einer solchen Gelegenheit, Live vor Millionen, es sei denn, man möchte sich am nächsten Tag beim Personalchef für sexuelle Übergriffe rechtfertigen müssen und übermorgen den Radiomoderatoren-Unvermittelbar-Hartz4 Antrag ausfüllen, oder, wenn es einem im Überschwang des Testosteronhaushaltes irgendwie passiert ist, wenigstens eine sehr gute spontane Entschuldigung, oder eine noch frechere Antwort parat haben, oder alles auf eine Karte setzen und die kassierte Ohrfeige brutalstmöglich ebenfalls mit körperlicher Gewalt beantworten. Einem sich Live vor der Kamera herumprügelnden Moderatorenpäärchen hätte ich 12 Punkte gegeben.

Was gar nicht geht, wenn alles schon so in Richtung gar nichts geht, ist dann wie ein kleiner dummdödeliger kleiner Junge zu Boden gucken, sich verschämt am Kopf kratzen und so tun, als wär das jetzt bloß ein verunglückter Scherz gewesen. Erschreckend klar und deutlich profiliert kam Kollegin Soya/Saya/Saja (Soyanka habe ich grad recherchiert)-ich kenn die Frau nicht- durch diese Aktion hervor, sie führt uns allen ebenso erschreckend klar vor Augen, dass man manche Dinge am Besten sofort und vor Ort mit Gewalt löst. Klatsch Klaaaatsch! Richtig so! Und den netten jungen Mann bitte aus sämtlichen Medien entfernen und in die Metzgerlehre gesteckt, da gehört er hin, ohne jetzt die Gilde der Metzgerinnung irgendwie diskriminiert haben zu wollen. Na, doch irgendwie schon.

Apropos aus den Medien entfernen: Bitte auch alle hochfrequent rumquietschenden Frauen mit Sprachfehlern, Dauerstimmbruchinhaber und Stammelkönige raus aus dem Radio. Wenn man bei den meisten Radiomenschen nun dank Raab schon vor Augen geführt bekommt, warum diese im Radio arbeiten und nicht im Fernsehen, dann könnte man doch auch mal genau diesen Menschen mal ausreden, dass sie in einem Medium arbeiten müssen, in dem Sprache eine wichtige Rolle spielt. Wenn diese Sprache im Ohr weh tut, dann ist das KONTRAPRODUKTIV!

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