The Biggest Loser – Abspecken im Doppelpack

Posted on May 4, 2011
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Ja. Ich gebe es zu. Ich sehe es mir an. Ich sehe es sogar gern. Die Frage ist doch: Warum sehe ich es mir an? Also der Plot ist schnell erzählt und dürfte den meisten bekannt sein, schließlich ist das Format ein Hit, aber für all diejenigen, die diesen Artikel erst in drei Jahren lesen, es gab da mal eine Sendung, die war lustig anzuschauen…
Dicke Menschen versuchen unter “professioneller” Anleitung schnellstmöglich ganz viel Gewicht zu verlieren. Hierbei treffen sie auf die schwierigsten Gegner, angefangen von der Genetik, dem Menschen im allgemeinen und dem Fernsehschaffenden im besonderen und vor allem sich selbst. Garniert wird das Ganze mit Gastauftritten einer pseudoprominenten Ex-Boxerin namens Regina Halmich (Dumich auch, hö, hö…) die der Show quasi durch sich selbst eine Art Gütesiegel aufdrückt. Um es mal im ductus zu sagen, Frau Halmich ist die Chefin im Ring, ist aber nur alle Jubeltage im “Camp” (einem Luxushotel/Wellness/Fitness-Glasmonstrum neben der Blockhütte irgendwo in den Alpen – das hier ungehemmt Werbung in eigener Sache machen darf und die Buchhaltung der Nebensaison mit Drehort bzw. “Location”honorar aufpeppt.)

Die eigentlichen Stars der Show sind die Logopäden und Rhetorikcoaches, die es so wirken lassen, als würde Frau Halmich nicht auf dem Schoß eines Puppenspielers sitzen, der die Hand in ihrem Popo hat und sie lustig mit den Armen ihre eigenen Sätze lautmalerisch begleiten lässt. Sehr hübsch gemacht auf jeden Fall, hat schon viel von Frau Klum , die offensichtlich das große Vorbild auch in hölzernen Satzbaukonstruktionen, die ich hier nachzustellen versuche, aber es will mir nicht recht gelingen, aber so spricht doch kein Mensch, zu sein scheint.

Aber wie gesagt, Frau Halmich ist ja auch nur zu den wichtigen Terminen da, schließlich ist sie das Promi. Die tägliche Arbeit mit den Menschenbergen müssen ein gewisser Herr Büdeker, der vor seinen Kameraauftritten gern seinen Bizeps aufpumpt (wen auch immer das beeindrucken soll, wenn er in einer Einstellung später wieder Arme wie Pinocchio hat) und eine Frau Kayadelen, die irgendwas zwischen Kickbox- und Pilatesweltmeisterin ist. Diese beiden personifizieren das Zuckerpeitsch und Brote Prinzip, es ist egal bei wem von beiden man trainiert, man muss sich bewegen.

Für viele Kandidaten ein echter Schock! Es gab mal so etwas wie Bewegung und der eigene Körper konnte es mal, aber das scheint lange her zu sein. Über die Kandidaten macht man sich aber nicht lustig, das gehört sich nicht. Wenn man den offiziell noch nicht geouteten, unterdrückt und mehr als latent Homosexuellen Rodschäh mit seine Muddi flirten sieht, lässt dies viele Jahre antrainierte Toleranz gegenüber, sagen wir mal Andersartigen auf eine sehr schwere Belastungsprobe stellen. Aber – man braucht sich nicht über ihn lustig zu machen, es reicht vollkommen, ihm dabei zuzusehen, wie er sich selbst darstellt. Wir fühlen mit seinem noch einjährigen Sohn, der irgendwann mal Erwachsen sein wird und sich dann sehr, sehr fremdschämen wird müssen. Rodschäh ist voller Haß auf Björn, den bisher erfolgreichsten Abspecker der gesamten Gang und lässt diesen das auch spüren. Björn setzt sich Ziele und verfolgt diese konsequent und erfolgreich – das provoziert Rodschäh zu dermaßen bösen Blicken, das kleine Kinder Angst bekommen würden. Aber die sind im Bett und sehen das gar nicht, wie Rodschäh sich weiter zur Wurst macht…

WIr sehen schon, immerhin vermag dieses menschliche Elend zu polarisieren und ob die nun egal wieviel oder überhaupt irgendetwas abnehmen, außer an öffentlichem Respekt – ist wie immer bei dieser Art Sendung völlig zweitrangig bis belanglos. Die zwischenmenschlichen Abgründe, wenn man Dicken dabei zusehen kann, wie sie noch Dickere mobben – wie unheilige Allianzen in Fett gegoßen werden und sich stille Helden, die wie Peter ihre Aussenseiterposition ruhig und geduldig ertragen, andere, wie ein gewisser hässlicher Mann namens Carlo sich langsam zum Dickenfaschisten entwickelt – all das ist überaus sehenswert, wenn Sie nicht einen Nachbarn oder Nachbarin haben, die genauso sind.

Und es motiviert mich zum Sport treiben. Um Gottes Willen nicht so werden, wie die…

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