Manni, der Libero

Posted on September 28, 2008
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Interessantes Experiment, dass der DSF da wagt. Echter Fernseh-Content um die Sportinseln herumgruppiert vervollkommnet das stimmige Konzept aus Telefonabzocke… äh “Call-In”-Formaten, Nacktmoderation, Männer-TV und 0900er Telefonsexhotlinewerbung: Manni, de Libero ist zurück. Damals zur Erstausstrahlung von mir ungeduldig erwartet, mit Spannung und angekündigt als die allererste Serie, die nur für uns verückte Fußballkids produziert wurde, mit Thomas Ohrner als verückter Fußballkid. Ja, der Tommi Ohrner, der einst sein Lachen an den Baron LeDefu verkaufte, um die Taschen voller Geld zu haben und dessen “Popeln Sie nicht!” mir bis heute als eindeutig autoritäre Erziehungsmaßnahme in der Erinnerung herumschwirrt. Jener Tommi Ohrner, der mir schon als Kind so dermaßen unsympatisch war, wegen seiner mädchenhaften Locken, wegen seines dämlichen Lachens, das dem Baron nicht mal 5 Mark hätte wert sein dürfen, Tommi Ohrner, Frankensteins massenkompatibler Schwiegersohn, Tommi Ohrner, der nichts kann, und schon gar nicht Fußball spielen…

Das ging mir damals schon auf den Sack. Warum stilisierte man diesen Knülch, diese offensichtliche Antifußballweichpupe zum Superfußballer? Und noch mehr ging mir auf den Sack: es ging kaum um Fußball, sondern um Pubertät, Mädchen, Schulprobleme, “kunstvoll inszenierte” Intrigen … und wenn, dann lief Thomas Ohrner, dessen einziger Verdienst es offenbar ist, für Miroslav Kloses Laufstil Pate gestanden zu haben, wie ein Mädchen über den Rasen, während um ihn herum richtige Fußballjungs versuchten, dem Hauptdarsteller möglichst nicht im Weg herumzustehen und ehrfürchtig zu Boden fielen, damit er vorbei tänzeln konnte…

Ja, vielen Dank DSF, für diese Retrospektive in meine eigene vorpubertäre Gefühlswelt. Ich war als Kind schon anders als die anderen, wahrscheinlich begeisterten Redakteue, Altersgenossen und mit mir in die Midlifecrisis stolpernden Vollhonks, die sich das nun versuchen, die ganze Serie mit Tränen im Knopfloch reinzuziehen. Die TV-Rückführungstherapie bewirkt bei mir viellerlei Einsichten und eine der stärksten hierbei scheint zu sein, dass die öffentlich-rechtlichen nicht erst seit Markteintritt der Privaten die Gebühren für minderwertige Formate verjuxt haben. Was wurde uns diese Serie damals nicht angepriesen, endlich mal was exklusiv für Jungens produziert, in meiner Altersklasse, Sport - Action – Fußball und was kommt dabei heraus? Eine gefilmte Bravo-Fotolovestory, politisch korrekt, pädagogisch wertvoll und sterbens langweilig.

Ich habe damals etwa drei Folgen lang durchgehalten, wegen der wochenweisen Ausstrahlung wahrscheinlich eine Folge verpast, den Faden verloren und genauso wird es mir diesmal gehen, und ich werde nichtmal merken, dass dieses -zugegeben- Kuriosum wieder heimlich abgesetzt wird.

Zum “Inhalt” von Manni, im Fernsehlexikon

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