Akte Mord

Posted on June 27, 2007
Filed Under Serien | 2 Kommentare

Ein echtes Kleinod der spätnächtlichen Fernsehunterhaltung ist Akte Mord. Der geneigte, schlaflose Zuschauer wird durch Telefonspielchen auf den anderen Sendern hierher gezwungen und erfährt wichtige Dinge, über das Leben im Osten, die Gleichgültigkeit in Plattenbauten und die langweiligsten Mordfälle aller Zeiten.

Es mag jetzt zynisch anmuten, dass man diese Morde langweilig nennt, zumal es sich ja um echte Fälle handelt, aber – es tut mir leid – wir sind aus dem TV eben besseres gewohnt, mystische Hinweise, total durchgeknallte Serienkiller, guter Buller, böser Bulle, intelligente Ermittler, all das gibt es hier nicht.

Man bemüht sich redlich, amerikanische Formate wie Autopsie oder was auch immer noch für einen reißerischen Quatsch nachzufilmen und scheitert an der Banalität des echten Lebens. Als potentieller, ambitionierter Massenmörder lerne ich, dass mich die Polizei in Deutschland nie im Leben fangen würde, wenn mich nicht irgendein blöder Augenzeuge verpetzen würde. Das Handwerk der Ermittlungstätigkeiten glänzt so dermaßen vor Unkreativität und Einfallslosigkeit, dass man sich wundern muss, dass die Polizei überhaupt irgendjemanden fasst. Naja, der obligatorische AUgenzeuge eben.

Der hier ins Bild der Öffentlichkeit gerückte deutsche Ermittler ist dabei ebenso uneloquent wie man ihn sich vorstellt. Es darf auch mal ein Leichenfledderer aus der Pathologie ins Bild, aber diesem fehlt der heilige ernst und auch ein bißchen der CSI-esque Flair eines faszinierenden Genies. Alles reine Handwerker.

Als wohlverhaltender Spießbürger kuschele ich mich in meine Couch, nehme meinen zu spätgeratenen Mitternachtssnack zu mir und fühle wohlig meine Vorurteile bestätigt, Mörder sind alles Russen, Albaner und andere Ausländer, Mordopfer sind Schwule oder Prostituierte, die Polizei findet sie alle, wenn der Nachbar gut auf mich aufpasst und ich passe auch auf alles gut auf - und alles wird gut. Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, die hatte es nicht besser verdient, selber Schuld, die Schlampe, aber geile Titten, die hätte ich auch gern abgemurkst – das sind die Gedanken, die uns das Nachtprogramm näher zu bringen versucht. Warum? – Was weiss denn ich!? Es ist Nachts, da ist es egal, was läuft…

Aber, wie Eingangs erwähnt, hat diese langweilig-amateurhafte und billig abgefilmte Zurschaustellung von Kapitalverbrechen einen enormen Vorteil: Ich werde nicht von hyperaktive Vollspacken angebrüllt endlich anzurufen um ein Worträtsel zu lösen, oder Automarken mit einem B aufzuzählen.

Comments

2 Kommentare to “Akte Mord”

  1. andrea on June 28th, 2007 09:53

    warte ab, es wird bald einen findigen programmplaner geben, der auch dieses format mit lustigen fragen aufpeppt, die dich zum telefonieren animieren sollen. wie heisst die sendung? a) akte mord oder b) akte mond – rufen sie jetzt an und gewinnen sie einen praktikumsplatz bei der polizei und jeder anruf kostet nur 2,02 euro :)

  2. Dominik Kessler on June 28th, 2007 10:23

    Das ist eigentlich eine tolle Idee für eine komplett neue Sendung: Es wird ein Kriminalfall ans Licht der TV-Öffentlichkeit gezerrt und dann werden die Verdächtigen, die die Kripo dann ermittelt in kleinen Filmchen, zusammengesetzt aus Wackelcam, Hausputzbesuch und Schöner-Wohnen Schnippseln, vorgestellt.
    Zum Finale jeder Show darf dann der Zuschauer voten (0,50 €), wer von Barabara Salesch, Richter Holt oder sonstwem zu realem Knast verdonnert werden soll. Das der Knast mittlerweile zu einem Big Brother Kamera-Container mutiert ist, ist ja klar…

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