Clever

Posted on June 17, 2007
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Ein gutes Beispiel dafür, dass eine gute Showidee, trotzdem sie in die Hände unfähiger Produzenten gefallen ist und sie zudem von uncharismatischen Moderatoren dargeboten wird, in Deutschland in der Lage ist die Massen zu begeistern, ist Clever, die Show die Wissen schafft. Haben Sie´s bemerkt? Diesen kleinen doppeldeutigen Kalauer? Wissen schafft – Wissenschaft.
Toll, oder? Riesige Idee. A pro pos Idee, wer jetzt denkt, dass ist ja nur beim öffentlich rechtlichen, inzwischen abgesetzten “Knoff Hoff” abgekupfert, der täuscht sich, die haben das Format damals auch schon in den USA eingekauft.

Dass es in Deutschland niemanden gibt, der sich monatelang Ideen für Fernsehshows ausheckt, mag daran liegen, dass Sie in Deutschland keine Ideen schützen lassen können. Also wird gewartet, was der Konkurrent einkauft, um es dann hemmungslos zu verschlimmbessern und abzukupfern. Das ist billiger und einfacher als sich selbst etwas auszudenken. Oder es wird in den USA eingkauft, die kennen sich sowieso viel besser als wir mit unserer Kultur und den Sehgewohnheiten aus, seitdem wir deren Kultur übernommen haben. Dürfen. Müssen. (Nein, ich glaube nicht, dass der erste GI, der einem Trümmerkind einen Kaugummi schenkte, in erster Linie aus finsteren Absichten gehandelt hat…)

Zurück zur Show: Präsentiert wird das Ganze von einem vom Anarchsimus früherer Samstag Nacht Auftritte geläutertem Wigald Boning und seiner kongenialen Partnerin Barbara Eligmann. Boning gibt den “Verrückten Wissenschaftler” mit Inbrunst, uns als
Fernsehdeppen reicht als Beweis für seine eloquente Kompetenz aber eigentlich schon, dass er schon immer eine Nickelbrille trug. Verrückt, diese Wissenschaftler, oder? Mit absichtlich hölzern vorgetragenen schlechten Wortspielen der Redaktion leitet Boning über zu Eligmann. Ist es Selbstironie? Eine Reminiszens an frühere, wirklich wahnsinnig witzige AUftriite, die pure Verzweiflung, die Routine als Fernsehschaffender, der sich zu guter letzt doch auch nur noch prostituieren konnte? Wir wissen es nicht.

Was wir aber wissen, ist, dass Eligmann, allein durch ihre Anwesenheit alles kaputt macht, was an der Show lustig ist. Eligmann ist von Natur aus hölzern und gerade mal dazu beschaffen, Boulevardnichtigkeiten vom Teleprompter abzulesen. Stotterfrei, immerhin.
Was Eligmann nicht kann, ist spontan auf die ihr zugespielten Bälle des Boning in adäquater Weise zu reagieren. Bisweilen hat man den Eindruck, Sie versteht weder, warum die Show so gut ankommt, noch worum es eigentlich geht, noch wozu sie eigentlich da ist. Und da gehe ich mit ihr geistig konform. Schauderhaft das schreiben zu müssen.
Sie macht auf den geneigten Zuschauer bisweilen den Eindruck, als wenn sie selbst glaubt, Herr Boning wäre ein Wissenschaftler und sie eine Moderatorin.

Die Experimente machen soviel Spaß wie einstweilen der Physik- oder Chemieunterricht, wenn der Lehrer einen guten Tag hatte und eine Brombombe gebaut hat, zweifellos wissenswerte Dinge werden angesprochen und anschaulich gemacht. Das ist wirklich Klasse, wenn wir auch wie immer noch kleine Kinder behandelt werden, die nur fasziniert sind, wenn es auch knallt und ballert, explodiert und flammenschlägt! Naja, zugegeben, stimmt ja auch. Trotzdem. Es muss ja nicht ständig Pyrotechnik a la carte abgefackelt werden. Bis dahin ist es aber immer lustig, Boning gibt zurück an Eligmann und …

Pffffffffft!

Die Luft entweicht aus der Show. Bemüht, verkrampft sich Barbara um die Gäste, die sich gegenseitig mit Besserwisserei übertrumpfen sollen und tötet jeden Unterhaltungswert brutalstmöglich, in dem sie weder auf spontane Gastkommentare eingeht oder furtztrocken etwas Lustiges wegignoriert und auf die Einhaltung der Spielregeln drängt, wie eine frigide Kindergärtnerin mit Migräne, die zeitig Feierabend machen will, noch überhaupt etwas mehr zu sein, als ein Fixpunkt für einen Kameraschwenk. Das ist so schade, denn mit einem lustigeren Partner hätte diese Show echten Spaßfaktor. Man stelle sich einen bissig spontanen Oliver Welcke, oder eine pfiffige Barbara Schöneberger vor. Man hätte wenigstens noch eine Barbara in der Show, das wäre schön und lustig. Anke Engelke muss ja nicht alles machen, wäre aber eine ebenso schöne Vorstellung in der
Rolle der Gastgeberin wie Mirja Boes. Gern jede, bloß nicht dieses verkrampfte, unlustige mittelalterliche Muttchen, dass es wahrscheinlich schon für einen Riesenspaß hält, Papierschlangen in die Luft zu pusten, wenn dann um 19:00 Uhr aber auch alle nach Hause gebracht, bzw. von ihren Eltern abgeholt werden. Ja, selbst nur die beiden Gäste wären besser als das, was uns da angetan wird.

Schöne Show, total vergeigt.

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