X-Diaries – love, sun & fun
Posted on June 24, 2011
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Sie sitzen nichtsahnend mittags zu Hause, oder haben sich von den ewigen Wiederholungen der Simpsons auf RTL2 vertreiben lassen und merken gerade eben noch, wie sich Ihr Gehirn in eine Pampelmuse verwandelt – ganz klar, Sie haben die x-Diaries eingeschaltet. Wir können nicht umhin, diesem Machwerk die einstweilige Krone des Trash-TVs verleihen zu müssen.
Das offenkundig vom Fremdenverkehrsverband Südeuropa gesponsorte Format nennt sich Dokunovela, kann aber auch ebenso gut Pseudoirgendwas genannt werden, denn hier ist alles Pseudo. Drehbücher, das Doku, die Novela Darsteller, Regisseure… nichts von all dem, was andere Film- und Fernsehschaffende für wichtig halten wird hier auch nur im entferntesten in Erwägung gezogen. Bis jetzt hatte ich den leisen Verdacht, dass die Darsteller, die sich hier wahrscheinlich für ein paar Notgroschen den Urlaub verderben lassen alles ausgebildete Burgtheaterschauspieler(innen) sein müssen, die vom Regisseur unentwegt dazu angehalten werden, möglichst hölzern, schlecht und sinnfrei zu spielen, aber nein, diese Menschen rekrutieren sich tatsächlich aus dem eigenen Publikum, so verrät uns ein Auszug aus dem Interview mit einer neuen Rekrutin des Monstermülls offenherzig:
Hast du eine bestimmte Lieblingsfolge bzw. einen Lieblingscharakter bei den “X-Diaries”?
Katja: Ich finde die Geschichten mit Familien immer ganz interessant – wenn es dann wieder Probleme gibt, weil eine so ‘nen anderen kennenlernt. Aber grundsätzlich finde ich sie alle ganz gut.
“weil eine so ‘nen anderen kennenlernt” - Ja, hier beschreibt die 18 Jahre junge Katja entlarvend genau den Kernplot einer jeden Geschichte, wobei Geschichte ganz schön geschmeichelt ist für den hahnebüchenen hirnkrampferregenden Megabullshit, den sich die Drehbuchpraktikanten mutmaßlich gegenseitig nachts um 4:00 Uhr -ey, scheisen, ey, isch muss ja noch story machn- im Drogenrausch zutwittern.
So muss es einen nicht verwundern, wenn eine Blondine zu einem ehemaligen Mann, in die sich ein Rockertyp verliebt geschrieben wird, Familienväter sich nach 30 Jahren Ehe plötzlich als schwul outen, Peter Parker und Clark Kent nachts heimlich die Kostüme tauschen … der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, auf Teneriffa ist in den Köpfen des Publikums und der Macher offenbar alles möglich. Und zwar ein omnipotentes Alles, inklusive der Aufhebung der Schwerkraft oder irgendwelcher sonstigen, wohlmöglich logischen Gesetzmässigkeiten. Denn es ist ja Urlaub!
Lästig unterbrochen werden die Episoden von Popowackelbildern, hüpfenden Möpsen und waschbrettbäuchelnden jungdynamischen Urlaubern, die meines Erachtens vom Produzenten vertraglich nicht um eine Rechteabtretung am eigenen Bild gebeten wurden, aber wer auf Teneriffa, Gran Canaria, Ibiza, Rimini, Lloret-de-Mar, Goldstrand und Mallorca Urlaub macht unterschreibt sicher gleich mit der Buchung des Flugtickets, dass sein/ihr nackter Hintern jetzt RTL2 gehört.
Diejenigen, die das sogar bewusst (also, naja, im Vollbesitz der jeweils begrenzten geistigen und körperlichen Kräfte) unterschrieben haben durchlaufen auf jeden Fall einen Sprachkurs und bekommen genügend Hilfestellung von Logopäden, sodass sie befähigt sind, jedes “ch” wie ein “sch” auszusprechen. Fallbeispiel: Ey, isch hab escht nisch gewusst, dass sie wo krass dein froihndinn isch. (Na gut, beim letzten isch habe ich gemogelt, aber der Delinquent kommt dann eben einfach aus dem Hessischen…)
Wenn Sie sonst noch Freund von falschen Formulierungen, die in der modernen Jugendsprache nicht mehr die Anhaftung von Minderbildung haben, wie “isch bin eh größer wie du“, “isch bin der einzigste wo disch liebt” und “Ey, scheise, isch hab kein bock auf die scheise” – schalten Sie unbedingt ein und Ihr Gehirn auf Durchfall, wenn es heisst: X-Diaries – love, sun & fun…
Eurovision Song Contest 2011
Posted on May 12, 2011
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Wir haben lange, lange überlegt und uns Namen ausgedacht … Soll man zu diesem Ereignis, Happening, Event noch irgendetwas schreiben? Morgen, heute und überhaupt werden die Blogs wieder überquellen mit den Gedanken von Menschen, die es über sich gebracht haben, diese ehedem als edle Idee geborene Show anzusehen.
Wie alles in Deutschland mittlerweile wird auch dieses Medienereignis mit einem moralinsaurem, trotzigen -wir dürfen aber stolz sein auf Deutschland- Ehrgeiz überzogen. Es ist scheissegal, wie schlecht die Mannschaft, denen ein deutsches Nationaltrikot in ihrer jeweiligen Sportart übergestülpt wurde, ist – wir sind für Deutschland. Jawohl, mein Führer. Selbst eingeschworene FC Bayern Fans werden nächstes Jahr für den BVB jubeln, wenn es um internationale Vermarktungsplätze im Fussball gehen wird. Eisstockschießen? – Doiiischlaaah, Doiiischlah!!! Auch wenn man noch nie von dem Sport gehört hat – egal…
Dieses spezifische geistige Armutsangebot, früher genannt Grand Prix, das gleich über den Bildschirm flackern wird, brauche ich gar nicht anzusehen um zu wissen, dass es auch dieses Jahr wieder einmal kompositorische Belanglosigkeiten von internationaler kleinster gemeinsamer Note geben wird, während mental Amok-laufende Bühnen-, Bühnendress- und Outfitdesigner sich gegenseitig in Geschmacklosigkeit zu überbieten versuchen, sämtliche Interpreten durch eine unheimliche Lena-esque Natürlichkeit bestechen werden und sinnlose Einspieler beweisen werden, das Deutschland echt ein nettes, lustiges Land ist – wenn man mal die Waffenexporte, die Mentalität und alle Deutschen weglässt, die stets ein offenes Ohr für Ausländer haben, wenn Sie Ihr Geld dalassen und schnell wieder abreisen…
Das alles wäre ich eventuell ja noch bereit zu ertragen, denn durch das langjährige Erleiden echter körperlicher Schmerzen verfüge ich über eine wirklich hohe Toleranzgrenze, aber was mich heute mutmaßlich Indiana Jones oder Hunde, wollt ihr ewig leben? einschalten lassen wird ist schlicht die öffentlich-rechtliche Zurschaustellung Stefan Raabs furchtbarer Zahnprothese. Wenn dieses fleischgewordene Sinnbild für den geistig-moralischen Niedergang, die ultimative Schlagertodschlagwaffe und Gallionsfigur der unheiligen Allianz zwischen ÖR und Privaten in seiner eigenen Pokershow beweist, wie dumm er eigentlich in Wirklichkeit ist, ist das ja nett anzuschauen, aber dass der da mit seiner neurotischen Hannoveraner Hupfdohle mich musikalisch in ganz Europa vertreten soll. – Nein! Wirklich nicht! Ich guck mir den Scheiß nicht an, der Millionen verschlingt, der Menschen um Existenzen bringt und der völkerrechtlich wirklich allmählich verboten gehört, wenn man allein schon an Peter Urbans Refrain-artiger Wiederholung seiner Vorbehalte gegenüber der Fairness der Balkanstaaten denkt.
Hört doch bitte auf mit dieser Scheiße! Das hat weder Europa, noch der Zuschauer und am allerwenigsten die Musik verdient, geht doch einfach alle zu einer Filliale einer Burgerkette, wenn Euch danach ist, Euch ein wenig selbst zu beschmutzen!
The Biggest Loser – Abspecken im Doppelpack
Posted on May 4, 2011
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Ja. Ich gebe es zu. Ich sehe es mir an. Ich sehe es sogar gern. Die Frage ist doch: Warum sehe ich es mir an? Also der Plot ist schnell erzählt und dürfte den meisten bekannt sein, schließlich ist das Format ein Hit, aber für all diejenigen, die diesen Artikel erst in drei Jahren lesen, es gab da mal eine Sendung, die war lustig anzuschauen…
Dicke Menschen versuchen unter “professioneller” Anleitung schnellstmöglich ganz viel Gewicht zu verlieren. Hierbei treffen sie auf die schwierigsten Gegner, angefangen von der Genetik, dem Menschen im allgemeinen und dem Fernsehschaffenden im besonderen und vor allem sich selbst. Garniert wird das Ganze mit Gastauftritten einer pseudoprominenten Ex-Boxerin namens Regina Halmich (Dumich auch, hö, hö…) die der Show quasi durch sich selbst eine Art Gütesiegel aufdrückt. Um es mal im ductus zu sagen, Frau Halmich ist die Chefin im Ring, ist aber nur alle Jubeltage im “Camp” (einem Luxushotel/Wellness/Fitness-Glasmonstrum neben der Blockhütte irgendwo in den Alpen – das hier ungehemmt Werbung in eigener Sache machen darf und die Buchhaltung der Nebensaison mit Drehort bzw. “Location”honorar aufpeppt.)
Die eigentlichen Stars der Show sind die Logopäden und Rhetorikcoaches, die es so wirken lassen, als würde Frau Halmich nicht auf dem Schoß eines Puppenspielers sitzen, der die Hand in ihrem Popo hat und sie lustig mit den Armen ihre eigenen Sätze lautmalerisch begleiten lässt. Sehr hübsch gemacht auf jeden Fall, hat schon viel von Frau Klum , die offensichtlich das große Vorbild auch in hölzernen Satzbaukonstruktionen, die ich hier nachzustellen versuche, aber es will mir nicht recht gelingen, aber so spricht doch kein Mensch, zu sein scheint.
Aber wie gesagt, Frau Halmich ist ja auch nur zu den wichtigen Terminen da, schließlich ist sie das Promi. Die tägliche Arbeit mit den Menschenbergen müssen ein gewisser Herr Büdeker, der vor seinen Kameraauftritten gern seinen Bizeps aufpumpt (wen auch immer das beeindrucken soll, wenn er in einer Einstellung später wieder Arme wie Pinocchio hat) und eine Frau Kayadelen, die irgendwas zwischen Kickbox- und Pilatesweltmeisterin ist. Diese beiden personifizieren das Zuckerpeitsch und Brote Prinzip, es ist egal bei wem von beiden man trainiert, man muss sich bewegen.
Für viele Kandidaten ein echter Schock! Es gab mal so etwas wie Bewegung und der eigene Körper konnte es mal, aber das scheint lange her zu sein. Über die Kandidaten macht man sich aber nicht lustig, das gehört sich nicht. Wenn man den offiziell noch nicht geouteten, unterdrückt und mehr als latent Homosexuellen Rodschäh mit seine Muddi flirten sieht, lässt dies viele Jahre antrainierte Toleranz gegenüber, sagen wir mal Andersartigen auf eine sehr schwere Belastungsprobe stellen. Aber – man braucht sich nicht über ihn lustig zu machen, es reicht vollkommen, ihm dabei zuzusehen, wie er sich selbst darstellt. Wir fühlen mit seinem noch einjährigen Sohn, der irgendwann mal Erwachsen sein wird und sich dann sehr, sehr fremdschämen wird müssen. Rodschäh ist voller Haß auf Björn, den bisher erfolgreichsten Abspecker der gesamten Gang und lässt diesen das auch spüren. Björn setzt sich Ziele und verfolgt diese konsequent und erfolgreich – das provoziert Rodschäh zu dermaßen bösen Blicken, das kleine Kinder Angst bekommen würden. Aber die sind im Bett und sehen das gar nicht, wie Rodschäh sich weiter zur Wurst macht…
WIr sehen schon, immerhin vermag dieses menschliche Elend zu polarisieren und ob die nun egal wieviel oder überhaupt irgendetwas abnehmen, außer an öffentlichem Respekt – ist wie immer bei dieser Art Sendung völlig zweitrangig bis belanglos. Die zwischenmenschlichen Abgründe, wenn man Dicken dabei zusehen kann, wie sie noch Dickere mobben – wie unheilige Allianzen in Fett gegoßen werden und sich stille Helden, die wie Peter ihre Aussenseiterposition ruhig und geduldig ertragen, andere, wie ein gewisser hässlicher Mann namens Carlo sich langsam zum Dickenfaschisten entwickelt – all das ist überaus sehenswert, wenn Sie nicht einen Nachbarn oder Nachbarin haben, die genauso sind.
Und es motiviert mich zum Sport treiben. Um Gottes Willen nicht so werden, wie die…
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